Uwe Heinze

Es ist an der Zeit, sich zu Wort zu melden …

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Nun bin ich gestern aber abgewatscht worden.

Gestern abend nämlich hab ich mir erlaubt, als Bürger dieser Stadt, in der ich lebe und auch meine Steuern zahle, in der Stadtvertretersitzung zwei Fragen zu stellen. Antwort hab ich zwar erhalten, nur nicht auf meine Fragen. Andere aber auch nicht. Eine neue Politik eben. Eine, die in Schubläden kramt. Eine, die die unangenehmen Dinge ans Licht zerrt. Eine, die nicht gewillt ist…

Vor allem aber eine, die immer alles weiß und immer recht hat.

Worum ging es? Um die Genehmigung einer Eilentscheidung. Ich hatte den entscheidenden Fehler gemacht zu fragen, welch böses Unbill der Stadt Laage denn bis zur letzten Woche drohte, so dass eine Eilentscheidung des Hauptausschusses notwendig war. Ich wurde belehrt, dass diese Eilentscheidung schon in der vorletzten Sitzung getroffen wurde. Wie kann man nur so ahnungslos sein und das nicht wissen! Aber eine Antwort auf die Fragen gab es trotzdem nicht.

Dem werdenen Ingenieur rollen sich beim Verfolgen der Diskussion im Fernsehen die Fußnägel hoch. Was die Experten, von Nachrichtensendungen kritisch befragt, so zum Besten geben, ist witzig, gruselig und machmal beides. Doch im Moment existieren wahrscheinlich so viele Meinungen wie Autobesitzer, vielleicht sogar noch einige mehr. Soll man sich mit Mathematik quälen und bei genauer Betrachtung doch tatsächlich herausfinden, dass alles nicht so schlimm ist wie berichtet?

Was bleibt dem Autobesitzer?

Nun, zunächst sollte sich jeder Autobesitzer beim Hersteller über die Verträglichkeit des “neuen” Kraftstoffes informieren. Dazu sende man am Besten eine schriftliche Anfrage.

42.301.563 ist die vom Kraftfahrtbundesamt angegebene Zahl zugelassener Fahrzeuge in Deutschland. Und wenn man sich die Verteilung auf die Hersteller ansieht, so kommt man darauf, dass VW z.B. 8.951.486 Briefe zu beantworten hätte. Ich wünsche den Damen und Herren viel Freude (hihi).

Aber nur auf diese Art und Weise hat man den Hersteller festgenagelt, sonst kann der sich rausreden, wenn wirklich etwas passiert. Wenn sich jetzt ein Hersteller kundenfreundlich gäbe, würde jeder Besitzer die Tauglichkeit per Brief bescheinigt bekommen, aber das kostet ja. Die Autowerkstätten könnten auch ihren Kunden diese Information (ungefragt) zugänglich machen, wäre auch guter Service. So einfach ist das (wäre das).

Wen interessiert da die Technik?

Nun, E10 ist im Gegensatz zum bisherigen Superbenzin E5 ein unsägliches Teufelszeug. Es sind sagenhafte 5% mehr Bioethanol enthalten. Es soll sogar Autos geben, die bis zu E85 vertragen und nicht innerhalb von Sekunden in Rauch aufgehen. Genug der Polemik, versuchen wir mal, ein paar Märchen aufzulösen:

1. Kraftstoffverbrauch

Mit E10 wird man mehr Kraftstoff verbrauchen.

Stimmt, denn der Heizwert – auf den kommt es beim Kraftstoffverbrauch an – ist geringer. Zum Vergleich:

Heizwert Super: 40,98 MJ/l

E85: 22,68MJ/l

E10: 39,84MJ/l.

Das bedeutet einen 3% geringeren Heizwert und damit auch einen 3% höheren Verbrauch. Diese Bierdeckelrechnung stimmt nicht ganz, denn man schleppt ja Kraftstoff mit geringerer Energiedichte mit dessen Gewicht…

Gehen wir also von 5% Mehrverbauch aus, also statt 8l /100 km jetzt 8,4. Wenn man jetzt also 500 km weit fahren möchte, bräuchte man dafür statt bisher einen vollen 40l Tank nun 42l. Heute an der Tankstelle kostete E5 1,50 € und das E10 1,47 € d.h. unsere Tankfüllung 60 € (E5) bzw. 61,74€ (E10). Bei dieser Rechnung vermute ich, dass mir jemand in die Tasche greifen will.

2. Der Kraftstoff macht den Motor kaputt

Nun, Motoren sind meist aus Grauguss oder Aluminium. Laut der elutropen Reihe ist Ethanol als Lösungsmittel für polare und unpolare Substanzen mäßig geeignet. Benzin und Wasser sind jedoch extrem starke Lösungsmittel für unpolare bzw. polare Substanzen. Nun, in jedem normalen Motor befinden sich Kühlwasser und Benzin… Und wenn sich Leitungen durch Benzin und Wasser (von innen bzw. Spritzwasser von außen) nicht auflösen, dann aber auf alle Fälle durch nicht dafür geeignetes Ethanol…

Die Geschichte mit dem Wasser im Öl gibt es bei jedem Motor. Es wird sich immer ein gewisser Teil von Wasser, Kraftstoff … an den Kolbenringen vorbeidrücken und im Öl ablagern bzw. lösen. Dadurch verschlechtert sich die Schmierwirkung des Öls. Egal, ob Benzin, ob Ethanol, ob Diesel oder ob sonst etwas. Deshalb gibt es Ölwechsel, und deshalb sind die auch sinnvoll.

3. Bioethanol macht Kraftstoffpumpen kaputt.

Das stimmt. Dadurch, dass diese Pumpen mehrheitlich durch die Flüssigkeit, welche sie transportieren, gekühlt und geschmiert werden, kann es tatsächlich sein, dass man bei der Verwendung von Bioethanol die Kraftstoffpumpe schädigt. Aber nicht bei einer Erhöhrung der Mischung von 5% auf 10%.

4. Mit E10 hat man weniger Leistung als mit E5

Falsch! Mit E10 hat man theoretisch sogar mehr Leistung, da die Oktanzahl höher ist. Da der Motor aber auf diese Oktanzahl nicht ausgelegt ist, wird man davon leider nichts abbekommen. Übrigens könnte man mit der Erhöhung der Verdichtung, die bei dieser Oktanzahl möglich ist, sich ein wenig des “verlorenen” Kraftstoffverbrauches zurück holen, da der Wirkungsgrad steigt…

Für uns bleibt vorerst:

Dem Hersteller einen netten Brief schreiben, warten was als Nächstes von den Experten aus Politik, Automobillobby und Mineralölwirtschaft kommt und mit welchen Methoden einem als nächstes das Geld aus der Tasche gezogen wird (werden soll).